
In meinem Studienjahr lernte ich auf einer Sommerakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes E. kennen. Sie studierte damals Geschichte und Kultur des vorderen Orients in Mainz. Und ich verliebt mich im sie. Oder in ihren Intellekt, was auch immer.
Sehr bald hatten wir beschlossen, eine Reise in die Türkei zu machen und damit in die Gegend ihres Studienfachs zu fahren. Über die Zugfahrt von Frankfurt habe ich schon geschrieben. Während der Reise gab es einige bemerkenswerte Ereignisse. Zum Beispiel musste die Zugfahrt unterbrochen werden, weil die Türen an einem alten Waggon nicht mehr zu schließen waren und während der Fahrt repariert oder abgesperrt werden mussten. Die Zollbeamten in Bulgarien waren brutal und schlossen während ihrer Kontrolle sogar verschlossene Toiletten auf. Je weiter man auf dem Balkan kam, desto mehr Essen wurde auf dem Bahnsteigen bei Halten angeboten.
Im Zug ernten wir Türken kennen, die uns in Istanbul dann an die Hand nahmen und erst einmal vom Bahnhof Sirkeci zu Bekannten in den ägyptischem Basar mitnahmen. Dort wurden wir dann in einem Geschäft mit Vogelkäfigen erst einmal geparkt, bis unsere Bekannten uns ein Hotel organisiert hatten. Das lag auf der asiatischen Seite in Kadiköy und war einfach und sauber und gerade genug für uns zwei Studenten. Schon die Überfahrt dorthin war ein Erlebnis.
Im Laufe dieser ersten sechs Wochen in der Türkei waren wir meistens mit Bussen unterwegs. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, dass auf unseren Fahrstrecken häufig Buswracks neben den Straßen lagen, bei denen sorgfältig die Firmennamen überstrichen waren. Zunächst ging es nach Ankara, wo wir auch von einem türkischen Fernsehtermin gefilmt wurden. Die Aufnahmen habe ich leider nie gesehen. Und dann ging es weiter nach Konya.
Bei der Abreise aus Konya waren wir recht früh am Busbahnhof und wurden von einer Gruppe von Türken umlagert und angefasst, die offensichtlich noch nie westliche Studenten unserer Art gesehen hatten: ich mit langen Haaren, E. als Frau im Jeansanzug.
Von Konya ging es weiter nach Antalya. Die Fahrt ging auf einer unbefestigten Straße über das Taurusgebirge. Der Bus wurde unterwegs angehalten, um eine verletzte Frau aufzunehmen, die während der Fahrt verzweifelt am Leben gehalten wurde und dann irgendwann auf der Fahrt an einem Krankenhaus abgeliefert wurde. Was aus ihr geworden ist, kann ich nicht sagen.
In Antalya haben wir uns dann entschlossen, ein Schiff der türkischen Küstenschifffahrt zu nehmen, die uns über mehrere Stopps letztlich in Istanbul absetzte. Ich glaube, es waren vier Tage und drei Nächte mit Verpflegung und kostete uns mit Studentenrabatt 50 DM. Auf der Fahrt gab es Tagesaufenthalte, und so kamen wir zum Beispiel nach Ephesus, einer Ruinenstadt, die uns sehr beeindruckte. Besonders faszinierend das Gemeinschaftsklo mit Blick aufs Meer (damals).
Die Schifffahrt endete in Izmir, von wo es dann nach Istanbul und von dort dann wieder mit dem Zug zurück nach Frankfurt ging.
Fortsetzung folgt
Tolle Reisebeschreibung