












Gegenwärtiges und Vergangenes














Dubrovnik Anfang der Siebziger
Nach unserem ersten Besuch mit dem Zug waren wir noch einmal in Istanbul vor unserem Studium in London in 1972 und 1973. Und auch danach noch mehrmals.
Diese Reisen fanden allerdings nicht mit dem Zug, sondern bis auf eine Ausnahme mit dem Auto statt. Die eine Ausnahme war nach einem Besuch meinerseits in Italien. Ich hatte jemanden kennen gelernt während eines Sprachkurses in Tours. Und habe ihn dann in Italien besucht in seiner Studienstadt Rerugia und in Rom selbst. Kleine Nebenbemerkung: ich denke, er war schwul und stand auf mich. Aber damals war ich so naiv, dass ich darüber nicht nachgedacht habe. Jedenfalls war E. mittlerweile in Istanbul und ich wollte ihr von Rom aus folgen. Es gab einen Studententarif, den ich in Anspruch nahm, damals Anfang der Siebziger, so circa 260 DM. An den Flug erinnere ich mich noch ganz genau. Das Wetter war schön und ich hatte einen guten Blick aus dem Flugzeug auf die Adria und den angrenzenden Balkan. An die Ankunft in Istanbul erinnere ich mich genauso wenig wie an diesen speziellen Urlaub.
Danach waren wir noch ein paarmal in Istanbul. Diese Urlaube liefen relativ gleich ab: Hinfahrt mit dem Auto mit einer Dauer von ein bis zwei Wochen, Aufenthalt in Istanbul für 2-3 Wochen und eine Rückfahrt nach Hamburg innerhalb einer Woche.
Die Fahrten erfolgten zunächst mit dem VW Käfer, den ich von meinem Vater übernommen hatte. Und danach benutzten wir den Renault R5, den ich nach dem Tod ihres Vaters übernommen hatte*.
Auf der Hinfahrt versuchten wir immer den berüchtigten Autoput durch das damalige Jugoslawien zu vermeiden und auf der Fahrt möglichst viele Sehenswürdigkeiten mitzunehmen. Zu dem besuchten Orten und Gegenden zählten wien, Budapest, Dubrovnik, Split, Belgrad, Saloniki, Larissa und so.
Dabei gab es einige spezielle Erlebnisse. In Pristina im Kosovo habe ich mir den Auspuff des R5 an einer Bordsteinkante kaputt gefahren. Warum hatte der auch so komisch vor dem Hinterrad zu Seite aus ragen. Aber in der Gesellschaft dort war man improvisieren gewohnt und mein Auspuff wurde gut und günstig repariert.
Ein anderes Mal sind wir von Norden nach Griechenland gefahren und wollten auch die Chalkidiki erkunden. Und dazu wählten wir uns natürlich die damals am wenigsten erschlossene Halbinsel an, Sithonia. Also Nicht gepflasterte Schotterstraßen nicht so gut erschlossen und wir fuhren mit dem Käfer über Stock und Stein. Bei einer Flussdurchquerung passierte es dann: ein spitzer Stein durchbohrte den Unterboden. Und danach, obwohl ich mit Silikon versucht hatte, das auszubessern, musste ich bei jedem heftigen Regenguss immer das Wasser aus dem Fußraum ausschöpfen.
Einmal sind wir nach einem kürzlich erfolgten Putsch in die Türkei eingereist. Es war schon bisschen creepy, von circa 16-jährigen Soldaten mit vorgängerter Maschinenpistole an einem Kontrollpunkt angehalten zu werden und mit der Mündung der Waffe vor dem Gesicht nach unserem Grund für die Reise befragt zu werden. Bei der Ausreise hatten sie dann Langeweile und wollten uns gründlich durchsuchen nach Drogen. Als sie keine fanden gaben sie dann auf. Wir hatten aber so gründlich am Wagen gearbeitet, dass uns ein paar Kilometer nach der Grenze der Gaszug riss.
Einige Erlebnisse und Eindrücke werden so sicher nicht wiederkehren. Die Küste zwischen Antalya und Alanya haben wir gesehen als einzigen Sandstrand ohne ein Hotel. Oder Dubrovnik würde heute sicher nicht so menschenleer sehen wie auf dem Bild oben, mitten am Tag.
* Ich bin kein Autofreak und habe fast mein ganzes Leben lang nur abgelegte Autos gefahren. Nur meine letzten Autos waren geleaste neue Kleinwagen. Vielleicht sollte ich das einmal in einem Extrapost schildern.

In meinem Studienjahr lernte ich auf einer Sommerakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes E. kennen. Sie studierte damals Geschichte und Kultur des vorderen Orients in Mainz. Und ich verliebt mich im sie. Oder in ihren Intellekt, was auch immer.
Sehr bald hatten wir beschlossen, eine Reise in die Türkei zu machen und damit in die Gegend ihres Studienfachs zu fahren. Über die Zugfahrt von Frankfurt habe ich schon geschrieben. Während der Reise gab es einige bemerkenswerte Ereignisse. Zum Beispiel musste die Zugfahrt unterbrochen werden, weil die Türen an einem alten Waggon nicht mehr zu schließen waren und während der Fahrt repariert oder abgesperrt werden mussten. Die Zollbeamten in Bulgarien waren brutal und schlossen während ihrer Kontrolle sogar verschlossene Toiletten auf. Je weiter man auf dem Balkan kam, desto mehr Essen wurde auf dem Bahnsteigen bei Halten angeboten.
Im Zug ernten wir Türken kennen, die uns in Istanbul dann an die Hand nahmen und erst einmal vom Bahnhof Sirkeci zu Bekannten in den ägyptischem Basar mitnahmen. Dort wurden wir dann in einem Geschäft mit Vogelkäfigen erst einmal geparkt, bis unsere Bekannten uns ein Hotel organisiert hatten. Das lag auf der asiatischen Seite in Kadiköy und war einfach und sauber und gerade genug für uns zwei Studenten. Schon die Überfahrt dorthin war ein Erlebnis.
Im Laufe dieser ersten sechs Wochen in der Türkei waren wir meistens mit Bussen unterwegs. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, dass auf unseren Fahrstrecken häufig Buswracks neben den Straßen lagen, bei denen sorgfältig die Firmennamen überstrichen waren. Zunächst ging es nach Ankara, wo wir auch von einem türkischen Fernsehtermin gefilmt wurden. Die Aufnahmen habe ich leider nie gesehen. Und dann ging es weiter nach Konya.
Bei der Abreise aus Konya waren wir recht früh am Busbahnhof und wurden von einer Gruppe von Türken umlagert und angefasst, die offensichtlich noch nie westliche Studenten unserer Art gesehen hatten: ich mit langen Haaren, E. als Frau im Jeansanzug.
Von Konya ging es weiter nach Antalya. Die Fahrt ging auf einer unbefestigten Straße über das Taurusgebirge. Der Bus wurde unterwegs angehalten, um eine verletzte Frau aufzunehmen, die während der Fahrt verzweifelt am Leben gehalten wurde und dann irgendwann auf der Fahrt an einem Krankenhaus abgeliefert wurde. Was aus ihr geworden ist, kann ich nicht sagen.
In Antalya haben wir uns dann entschlossen, ein Schiff der türkischen Küstenschifffahrt zu nehmen, die uns über mehrere Stopps letztlich in Istanbul absetzte. Ich glaube, es waren vier Tage und drei Nächte mit Verpflegung und kostete uns mit Studentenrabatt 50 DM. Auf der Fahrt gab es Tagesaufenthalte, und so kamen wir zum Beispiel nach Ephesus, einer Ruinenstadt, die uns sehr beeindruckte. Besonders faszinierend das Gemeinschaftsklo mit Blick aufs Meer (damals).
Die Schifffahrt endete in Izmir, von wo es dann nach Istanbul und von dort dann wieder mit dem Zug zurück nach Frankfurt ging.
Fortsetzung folgt
Restaurants haben es schwert seit der Pandemie. Die Leute gehen weniger aus, beachten offensichtlich nicht ihre Reservierung. Zu Weihnachten mussten wir im Heiligen Teufel Vorkasse leisten, um überhaupt einen Platz reservieren zu können. Maximilian Buddenbohm berichtet jetzt darüber, das Restaurants in Hamburg einen Mindestumsatz verlangen, wenn man Reservierung möchte. Er macht auch Anmerkungen zu diesem Monat, die mir sehr bekannt vorkommen.
Wie ein Amateur, der mit diesem Leben immer noch nicht recht umzugehen weiß, fragte ich mich im Laufe dieser Woche, was denn eigentlich mit mir los sei. Dieser fehlende Schwung, diese spürbare Eintrübung der Laune schon am frühen Vormittag. Diese geradezu albern anmutende Wehleidigkeit gegenüber der winterlichen milden Kälte da draußen, die so schlimm nun auch wieder nicht ist. Dazu noch dieses allgemeine Gefühl der Hinfälligkeit und die sich manchmal generalisiert anfühlende Unlust, die interessierte Teilnahme an den Freundeskreisen Dysphorie und Anhedonie.
Und danach noch
Währenddessen haben wir alle immerhin schon den 24. Januar erreicht. Den haben wir also fast schon verbraucht, erledigt und durchgebracht, diesen Monat. Danach nur noch eben die vollkommen erwartbare Februarverelendung durchmachen, dann kann man im März schon wieder ansatzweise vorwärtsorientiert denken und fühlen.
Noch ein letztes Mal möchte ich auf Maximilian Buddenbohm eingehen. Er spricht über neu eröffnete Restaurants in einer Ausgehmeile in seiner Nähe. Als ehemaliger Hamburger schätze ich, dass es sich dabei um die Lange Reihe handelt. Die Namen dieser Restaurants sind sich sehr ähnlich, weswegen er sich eine absurde Situation sind.
Im Goa auf Godot warten, der aber im Gao sitzt. Mit Blick auf das Gaia, in dem noch weitere Personen warten: Das ist dann unser Beckett 2026. Eine betont offene Inszenierung, an der zweifellos zahlreiche Laien spielfreudig teilnehmen werden.
———
Die Kaltmamsell spricht über das Verhältnis zu Ärzten und darüber, dass man als kritische Patientin bezeichnet wird, wenn man einfach nachfragt. Das erinnert mich daran, dass eine Ärztin mich angemacht hat, als ich eine Nachfrage hatte, und gemeint hat, sie hätte nicht ihre Zeit zu verschwenden. Seitdem meide ich diese Ärztin in meiner Hausarztpraxis.
Und ich wurde wieder mal “kritische Patientin” genannt. Empfinden Ärzt*innen mein Bedürfnis nach detaillierter Information bis zum laienhaften Kapieren wirklich als “kritisch”? Ich widerspreche doch gar nicht oder äußere gar Kritik?
Im gleichen Post verweist sie auf La Vialla, bei denen wir auch Saucen und Olivenöl bestellen. Eigentlich sind wir sehr zufrieden, andererseits geht aus diesem Post hervor, dass auch die Leute in der Toskana Rinderhörner vergraben, also in Richtung Demeter gehen, eine Richtung, die wir als esoterisch eigentlich nicht unterstützen wollen. Sie verweist auch auf einen Artikel aus der Financial Times, der La Vialla beschreibt. Uns ärgert allerdings auch die Menge an Prospekten und Werbematerial, mit denen wir geflutet werden.
Seit ich dort selbst mal bestellte, werde ich von Marketing-Material geflutet – das mich mit seinem Idyll- und Heile-Welt-Branding in erster Linie misstrauisch machte
————-
Meqito schreibt über seine Einbürgerung in Berlin. Ich bin immer froh, wenn unsere Stadt bunter wird und heiße anders als manche Leute alle willkommen, die gerne hier leben. Auch wenn sie dann mit unfreundlichen Biodeutschen zu tun haben.
Gleich danach ging ich spontan direkt ins mobile Bürgeramt nebenan, wo man unkompliziert und ohne Termin Pass und Perso beantragen kann. Dort saßen zwei gut gelaunte Frauen mit eng gezurrtem Kopftuch und gratulierten mir fröhlich zur Staatsbürgerschaft. Bei den beiden Damen konnte ich auch ein Foto von mir schießen lassen und nach ein paar Unterschriften war alles erledigt.
Ich erwähne das mit dem Aussehen und dem Kopftuch deswegen, weil die einzige Person, die mich etwas schlecht gelaunt von der Seite anschnauzte, eine offensichtlich biodeutsche Frau in meinem Alter war, weil ich mit der Kamera etwas falsch verstanden hatte.
——————-
Zu guter Letzt noch etwas über das Reisen mit dem Zug. Ich bin ja circa 15 Jahre mit dem Zug zwischen Berlin und Hamburg hin und her gependelt und war froh, dass ich das nicht mit dem Auto machen musste. Ich fahre gern Zug. Meine interessanteste Reise allerdings war 1972, als ich direkt von Frankfurt nach Istanbul mit dem Istanbul Express gefahren bin. Es war gut 50 Stunden mit einer Dampflok in einem Abteil mit acht Sitzen. Die Bundesbahn hatte damals ihre ältesten Wagen auf dieser Strecke eingesetzt, wahrscheinlich, weil sie glaubte, das besseres Material auf dem Balkon nur zu Schrott gefahren. Der Zug war voll besetzt mit freundlichen Menschen. Wir haben uns mit den Türken in unserem Abteil gut verstanden und wurden von Ihnen in Istanbul gleich in ein einfaches sauberes Hotel vermittelt, das wahrscheinlich Bekannten gehörte und damals 5 DM pro Nacht kostete.
Zu guter Letzt noch etwas über das Reisen mit dem Zug. Ich bin ja circa 15 Jahre mit dem Zug zwischen Berlin und Hamburg hin und her gependelt und war froh, dass ich das nicht mit dem Auto machen musste. Ich fahre gern Zug. Meine interessanteste Reise allerdings war 1972, als ich direkt von Frankfurt nach Istanbul mit dem Istanbul Express gefahren bin. Es war gut 50 Stunden mit einer Dampflok in einem Abteil mit acht Sitzen. Die Bundesbahn hatte damals ihre ältesten Wagen auf dieser Strecke eingesetzt, wahrscheinlich, weil sie glaubte, das besseres Material auf dem Balkon nur zu Schrott gefahren. Der Zug war voll besetzt mit freundlichen Menschen. Wir haben uns mit den Türken in unserem Abteil gut verstanden und wurden von Ihnen in Istanbul gleich in ein einfaches sauberes Hotel vermittelt, das wahrscheinlich Bekannten gehörte und damals 5 DM pro Nacht kostete.
Cottage Pie
Diese Woche haben wir zweimal etwas gekocht, was wir in den letzten Jahren nicht oder überhaupt noch nicht gemacht haben. Einmal einen Cottage Pie, der mich an meine Zeit in London während des Studiums erinnerte. Gekocht nach diesem Rezept (Cottage Pie, weil mit Rinderhackfleisch statt Lammhackfleisch gemacht). Und einen anderen Tag einmal Matjesfilet Hausfrauenart, eine Abwechslung zudem von uns etwas häufiger gemachten Matjessalat mit roter Beete. Auch hier das Rezept.

Matjes, Hausfrauenart
Ansonsten: Diese Woche ist wirklich nicht viel passiert. Hauptsächlich Zu Hause ohne große Action. Hanna hat diese Woche Twin Peaks (alle Folgen) gesehen, eine Serie, mit der ich nicht viel anfangen konnte. Aus Anlass des Todes von David Lynch ist sie zur Zeit in der arte Mediathek zu finden. Zu der Zeit ihrer ersten Ausstrahlung habe ich sehr wenig ferngesehen, konnte also nicht aus nostalgischen Gründen adarn gefallen finden.. Und darüber hinaus ist mir die Serie einfach zu mystisch oder surreal.
Ich habe während dessen das Netz unsicher gemacht und einiges gelesen. Dazu werde ich einen Extrapost vorbereiten.











Knüppeleis (Symbolbild)
Zunächst einmal alles ruhig los. Eigentlich hätte unser Mietweihnachtsbaum am letzten Sonntag abgeholt werden sollen, aber es passierte nichts. Im Laufe der Woche habe ich nachgefragt und die Ankündigung ist jetzt, dass die Abholung heute erfolgt.
Am Montag hatte Hanna dann einen Termin zur Maniküre und Pediküre. Hat aber abgesagt, da sich wegen des Tauwetters dick Knüppeleis gebildet hatte und zudem ihr Termin von mittags in die abendliche Dunkelheit gelegt worden war. Wir haben jetzt eine neue Vereinbarung: Sie kommt jetzt circa alle sechs Wochen zu uns und bearbeitet unsere Nägel gegen ein Pauschalpreis.
Ich dagegen hatte am Mittwoch einen Zahnarzttermin und machte mich auch wohlgemut auf dem Weg, aber nach etwa einem Drittel gab ich auf und sagte den Termin ab. Auf den vorher nicht vom Schnee befreiten wegen hatte sich eine dicke Schicht eingebildet auf der nicht nur echt schlitterte. Meinen Termin hätte ich ohnehin nicht geschafft, da ich mich kaum auf den Füßen halten konnte und entsprechend warm war.
Ansonsten nur etwas sehr, sehr Unangenehmes aus dem privaten Bereich. Nachdem man mich wegen eines Vorkommnisses in unserer Wohnung und der von mir gezogenen Konsequenzen ein gutes Jahr lang mit Nichtbeachtung bestraft hat, habe ich die Kommunikation auch von meiner Seite aus für beendet erklärt. Darauf kam eine Nachricht voller Selbstmitleid. Ursprünglich hätte es eine Entschuldigung getan, dann wär auch von meiner Seite gut gewesen. Aber offensichtlich sind die Welten beider Lichtjahre voneinander entfernt.












Ich muss die Beschreibung meiner engeren Familienmitglieder weiterführen.Die Beschreibung meiner Mutter ist fast so schwierig wie die meiner Beziehung zu meiner Schwester.
Meine Mutter kam 1929 in Leipzig zur Welt. Wahrscheinlich ist sie dann irgendwann mit meinen Großeltern nach Breslau gezogen und hat prägende Jahre ihrer Jugend unter dem Naziregime verbracht. Zur Erinnerung: ihr Vater war bei der Kriminalpolizei in Wroclaw. Irgendwann gegen das Ende des Krieges sind sie geflohen und landeten im Osten Deutschlands, was später zur DDR wurde. Ich denke, hier hatte sie einige prägende Erlebnisse, aber das weiß ich nicht genau. Später floh die Familie weiter zum Priwall bei Lübeck und blieb dann in der Stadt.
Um 1950 herum lernte meine Mutter meinen Vater kennen, der Musiker war wie ihr Bruder, mein Onkel. Er hat sie miteinander bekannt gemacht. Anfang 1951 haben sie geheiratet, ich vermute mittlerweile, dass es deswegen war, damit ich als eheliches Kind auf die Welt komme.
Meine Mutter wurde dann im wesentlichen Hausfrau und betreute uns Kinder. Ich denke, sie war nicht glücklich damit. Soweit ich weiß, hatte sie Kindergärtnerin gelernt und wäre sicher auch gerne in den Beruf gegangen. Das war aber in den fünfziger Jahren wohl keine Option. Auch wenn mein Vater als Musiker wahrscheinlich nicht genug verdiente, um die Familie über Wasser zu halten.
1957 zogen wir dann nach Hamburg in eine Wohnung der Bundeswehr, da mein Vater einen Job als Musiker in Hamburg beim Musikkorps 6 der Bundeswehr angenommen hatte. Ich hab nur wenig Erinnerungen aus der Zeit davor, aber einige mehr danach. Eine war vielleicht merkwürdig, in all den Jahren, in dem wir klein waren, gab es immer Pakete aus der damaligen DDR von einem Professor Anders (?), über dessen Verhältnis zu unserer Familie nie so richtig geredet wurde. Ich weiß nicht, ob mein Verdacht richtig ist. Aber ich denke, dass das jemand war, den meine Mutter in ihrer kurzen Zeit in der sowjetischen Besatzungszone kennen gelernt hatte und den sie richtig mochte.
+++++++++++++
Soweit ich weiß, wurde meine Mutter immer als gesellig, umgänglich, und freundlich angesehen. Sie hatte aber auch andere Seiten. Als Allergikerin bestand sie auf einer speziellen Diät. Sie besorgte sich also zum Beispiel Rndertatar und wir durften nichts davon essen, bekamen anderes Zeug. Offensichtlicher wurde es bei den Getränken. Sie sagte, sie könne nur Limonade vertragen, damals Silvettalimonade Geschmacksrichtung Zitrone. Meine Schwester und ich durften bei Strafe nicht rangehen. Man kann sich vorstellen, was das mit Kindern macht. Ich war dann immer eher brav, meine Schwester nicht. Sie nahm manchmal eine Flasche aus dem Kasten und trank. Die angebrochene Flasche versteckt sie dann zum Beispiel hinter dem Vorhang. Öfter genug kam das raus.
++++++++++++
Die zweite Sache: meine Mutter übertrug ihre Ambitionen auf uns Kinder und wollte dafür sorgen, dass wir das alles erfüllten, was sie sich leicht erträumt hatte. Dazu gehörte Musikunterricht von klein auf, bei mir zuerst Blockflöte und dann Klavierunterricht, bei meiner Schwester zumindest Klavierunterricht. Obwohl ich Schwierigkeiten mit meiner linken Hand hatte, kein Wunder bei der überstandenen Polio, dachte ich immerhin zu einem Klavierkonzert auf dem Gymnasium. Es war aber absehbar, dass es bei mir nicht weiter ging, also konzentrierte sich unsere Mutter auf meine Schwester. Mir kam das gelegen, da sie dann Priorität am Klavier hatte und ich Gründe hatte, nicht mehr so richtig zu üben. Petra brachte es soweit, dass sie an einem Landesmusikwettbewerb in der Hamburger Musikhalle teilnahm, wo sie den sechsten Platz belegte.
++++++++++++
Das war auch so bei den schulischen Leistungen. Wenn was noch nicht klappte, dann gab es mit dem Kochlöffel auf die Finger oder mit dem Teppichklopfer auf den Hintern. Bei mir war es etwas weniger, weil ich in den normalen Fächern ich meine Leistung brachte. Aber zum Beispiel für den Kunstunterricht musste ich Sachen mit nach Hause nehmen und meine Mutter saß dann dabei, wenn ich eine schiefe Vase töpferte. Als meine Sportnote nicht gut genug war, wurde ich in einem Leichtathletikverein angemeldet, nicht, wie ich gewollt hätte in einem Fußballverein. Fußball spielen galt als proletarisch Ich muss aber sagen, im Sport hat es geholfen, ich wurde erheblich besser.
++++++++++++
Meine Mutter hat leider etwas erreicht: in meinem weiteren Leben fehlte häufig die Eigenmotivation, ich wurde immer erst auf Druck gut darin, Sachen zu erledigen. Im Alter von 15 oder 16 wurde es mir zu viel, ich weiß nicht mehr, über welcher Gelegenheit. Aber ich machte etwas ungeheuerliches: ich gab meiner Mutter eine Ohrfeige. Danach hatte ich letztlich meine Ruhe, es passierte sogar etwas Merkwürdiges. Meine Mutter schien stolz auf mich zu sein, sogar, als ich in einer Schulversammlung als Rädelsführer bei einem Schuhlstreik namentlich genannt wurde . Vielleicht ging es aber nur damit zusammen, dass ich auf Vorschlag der Schule mitten im Schuljahr von der neunten in die zehnte Klasse wechseln durfte. Als ich dann Auszug und zum Studium nach London ging, schaffte sich meine Mutter nach ihrer eigenen Aussage einen Cockerspaniel ein als Ersatz für mich.
++++++++++++
Meine Schwester dagegen erlebte die Härte des Regimes. Wahrscheinlich, weil sie sich mehr widersetzte als ich. Sie nahm sich Freunde, die meine Mutter missfielen, sie musste mehrmals die Schule wechseln und machte schließlich Abitur auf einem evangelischen halbprivaten Gymnasium. Zum Höhepunkt kam es, als sie sich einen katholischen Freund nahm. Meine Mutter war zutiefst evangelisch, oder tat so. Wir mussten jeden Sonntag in den Kindergottesdienst, wurden natürlich auch konfirmiert. Danach war für mich mit der Kirche Schluss. Meine Schwester hielt an ihrem katholischen Freund fest, heiratete ihn später und bekam zwei Kinder. Ironie des Schicksals: er verließ sie dann für eine andere Frau, als sie über 60 war.
++++++++++++
Meine Mutter starb im Alter von 52, an ihrem zweiten Herzanfall, hervorgerufen durch die Schwächung ihres Herzens wegen des Asthmas. Beim ersten konnte mein Vater sie noch wiederbeleben, beim zweiten leider nicht.
Disclaimer: ich glaube, dass meine Erinnerung weitesgehend korrekt ist. Andererseits ist bekannt, dass Erinnerungen täuschen können.

Weihnachten ist vorbei und wie man sieht, ist der Baum abgeschmückt. Es ist ein Mietbaum und wird heute abgeholt, wenn alles wie angekündigt klappt. Wir haben zwei ereignisreiche Wochen hinter uns.
Am montag, den 29. kamen Natascha, Nadya und Sean aus Kanada zu uns zu Besuch. Natascha und Nadya sind Hannas und damit auch meine Nichten und Sean ist Nataschas Mann. Am Morgen hatte ich mit Manuela Bettwäsche in die Wohnung gebracht, die uns gegen einen günstigen Preis von einer Nachbarin in einer anliegenden Straße zur Verfügung gestellt worden war.
Nach viel quatschen machen Sie sich die drei am Dienstag erst einmal auf dem Weg und dann, als sie zurück waren, ging es in einem Großraumtaxi zum Reichstag, um bei Käfer zu essen. Das habt ihr eventuell schon hier nachgelesen. Am Silvesterabend haben die Nichten uns alle bekocht, es gab Filet Wellington mit einigen Beilagen, darunter auch Garnelen. Sozusagen Surf and Turf. Die drei sich gegen elf auf die Straße bekam, hielten wir noch ein Nickerchen vor Mitternacht. Großes Geböller wie immer in Berlin und sie kamen auch sehr erstaunt zurück.
Donnerstag macht der Hanna dann ihren bekannten Eisbeinauflauf, am Freitag, dann Natascha Spaghetti mit ihrer Sauce, eine Variante von Alfredo. Dazwischen packen alle an und sollen säuberten die Küche gründlich einschließlich der Wände konnten vieles um und am Wochenende ging auch Nadya noch durch den Rest der Wohnung.
Natascha und Sean dagegen reisten am Samstagmorgen ab, um über Dublin nach Kanada zu fliegen. Leider hatten sie aufgrund des Schnees in Berlin. Pech verpassten ihren Anschlussflug in Dublin und mussten dann bis Montag warten, bis sie früh eine Verbindung von Dublin über London Heathrow nach Toronto bekam.
Nadja blieb am Samstag noch da und verbrachte einige Zeit damit, zusammen mit Hanna alte Bilder über den Fernseher anzuschauen. Sonntag besuchte sie die neue Nationalgalerie und flog dann auch am Montag über Dublin zurück nach Toronto. Wir benutzen die Montag dann ein wenig dazu auszuruhen. Weil, Besuch ist sehr schön kann aber auch anstrengend sein.

Ich weiß nicht, ob es das Sauerkraut war am Donnerstag oder was auch immer, aber es kündigte sich mit Durchfall ein heftiger Schub meiner Colitis an, der sich dann am Dienstagabend in einem sehr blutigen Stuhlgang niederschlug. Hat mich beunruhigt und ich hatte mich gefragt, ob ich damit warten könne, bis am nächsten Tag mein Gastroenterologe Sprechstunde hätte. Sicherheitshalber habe ich kassenärztlichen Notdienst angerufen und meine Symptome geschildert und die meinten ich könne nicht bis zum nächsten Tag warten, sondern müsste sofort in die Notaufnahme. Ich also ins Taxi und in mein gastroenterologisches Krankenhaus gefahren, in das virchow, Klinikum der Charité.
Nach 1 Stunde Wartezeit kam ich um 21:00 Uhr dran, es wurde Blut abgenommen und dann darauf gewartet, dass die Ergebnisse kommen. Während dessen hing ich am Monitor und konnte mein Blutdruck und die Sauerstoffsättigung nachvollziehen (beides übrigens okay obwohl ich sämtliche Blutdruckmedikamente Anfang Dezember abgesetzt hatte nach Absprache mit meinem Arzt).
Dann ging es stündlich so, dass gesagt wurde, ich sollte nach Hause kommen, aber man müsse noch einmal meine Hämoglobinwerte überprüfen. Natürlich sagte ich Hanna Bescheid, es war etwa 0:30 Uhr. Und dann kam sie wieder nach 1 Stunde, noch einmal Hämoglobin überprüfen. Und dann noch mal. Kurz nach 3:00 Uhr morgens meinten sie dann ich könnte nach Hause fahren und sollte am nächsten Tag meinen Gastroenterologen für das weitere Vorgehen kontaktieren. Kurz bevor ich mit dem Taxi zu Hause war, war Hanna schon total beunruhigt und schickte mir eine Nachricht, ob ich noch nach Hause käme, die ich durch das Klingeln an der Tür beantworte.
Noch meine E-Mail. Am nächsten Tag rief mich mein Gastroenterologe nachmittags zurück und wie besprachen das weitere Vorgehen. Ersetze mir ein neues Biologicum auf meine Karte und sagte mir, ich solle wieder eine Cortisontherapie machen. Mache ich ungern, weil das mein Zuckerspiegel unnötig erhöht. Aber was soll es? Ich werde diesmal mit Insulin dagegen arbeiten.
Samstag hatte ich alle Sachen beisammen und nach dem ersten Prednisolon Tabletten bessert sich die Lage langsam.

Am Samstag hat Hanna dann ihren Probetermin mit ihrem hoffentlich zukünftigen Tagesdackel Emil. Es lief wohl alles gut, er fühlte sich wohl bei uns und auch ein Probespaziergang war offensichtlich erfolgreich. Am nächsten Samstag wird dann statt Herrchen auch noch Frauchen kommen, um die Lage in Augenschein zu nehmen. Hanna ist zuversichtlich
© 2026 Friedrichshain, Berlin und die Welt
Theme von Anders Norén — Hoch ↑
Vielen Dank fürs Verlinken! Nur zur Richtigstellung, meine Knie sind noch nicht operiert! Ich hoffe ja, dass sie nach einer…