Gegenwärtiges und Vergangenes

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Aus den Blogs (4)

Image attribution: Cortega9, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Kennenlernen

https://www.buddenbohm-und-soehne.de/2026/02/25/der-alltag-als-kennenlernspiel/

Und wieder einmal Max buddenbohm, dem ich mich wohl als Hamburger und (fast) als Altersgenosse verbunden fühle. In diesem Fall geht es um Kennenlernen, und da haben wir allerdings andere Erfahrungen gemacht als Max. Er sagt:

Ich sprach neulich mit einem jüngeren Menschen über das Thema Kennenlernen. Dieser Mensch hat generationstypisch, wie man in dem Fall wohl sagen kann, Erfahrungen mit Tinder etc. Ich habe dergleichen, vielleicht auch noch generations- und außerdem sicherlich familienstandstypisch, noch nie benutzt. Mir fehlt da jede Erfahrung oder ein ganzer Lebensbereich, wie es sich für Jüngere vielleicht anfühlt.

Und weiter:

Ich überlegte dann im weiteren Verlauf, wann ich überhaupt zum letzten Mal jemanden in freier Wildbahn kennengelernt habe. Also jemanden, der mir nicht „serviert“ wurde, etwa durch berufliche Umstände. Und ich kam nicht darauf. Auch nach langem Nachdenken nicht. Die letzte große Kennenlernwelle in meinem Leben war die Spielplatz- und Grundschulzeit, in der vermutlich fast jede und jeder noch einmal einen ganzen Schwung an neuen Kontakten erlebt.

Naja, was ist das Kennenlernen außerhalb des Kontextes angeht, habe ich schon Erfahrungen, wenn sie auch schon weiter zurückliegen, die neueren gehen eher auf Hanna zurück.

Was allerdings das Kennenlernen über Apps, wie es neuerdings heißt, oder wie es früher war, über Websites angeht, da haben Hanna und ich durchaus Erfahrung. Wir haben uns nämlich im Jahr 2000 über das Internet kennen gelernt. Damals war das eine schwedische Website namens Spraydate. Als wir uns kennen gelernt hatten, wechselten wir zu einer Seite namens berlinonline.de und als diese in das offizielle Berlin Portal, Berlin.de überging, blieben wir als kleiner Rest von Usern auf einer Seite namens palmania (der Link führt zu einem veralteten des Adressbucheintrag) hängen. Da waren wir wohl neben dem Betreiber die letzten User.

Kennenlernen 2

https://hmbl.blog/28-2-2026-fragestunde/?pk_campaign=feed&pk_kwd=28-2-2026-fragestunde

Im Fragen-Doc diese hübsche Frage entdeckt:

Wenn ich fragen darf: Sie sagten mal, dass Sie gelegentlich Kunden aus dem Leserkreis des Blogs haben. Kann es nicht furchtbar schief gehen, wenn man einen Kunden schon aus dem Blog „kennt“ und dann beim zusammen arbeiten merkt, was für ein Mensch das ist?

Und obwohl ich die Richtung der Frage auf den ersten Blick verstehe: So geht das mit dem Kennelernen doch eigentlich immer, oder? Die Arbeitskollegin, die auf der Weihnachtsfeier auf einmal cringe daher redet, der seit Jahren unauffällige Gärtner, der im exakt richtigen Moment die richtige zutiest menschliche Frage stellt – jede kann uns doch immer überraschen. Und das ist manchmal überraschend schön und manchmal auch überraschend enttäuschen.

Fazit: das Leben steckt voller Überraschungen.

Lächeln

https://unterwegsistdasziel.blog/sich-eine-positive-haltung-bewahren/

Ich bin ja eher der norddeutsche Typ. Vielleicht eher gewesen. In Hamburg und auch besonders in London, wo ich studiert habe, da guckt man sich gegenseitig nicht an. Vor allem und besonders auch nicht in öffentlichen Verkehrsmittel. Das thematisiert die Zugbegleiterin in ihrem Blogpost. Über das Lächeln schreibt sie:

Die menschliche Mimik ist eine der grundlegendsten Kommunikationsformen. Wir lernen Gesichtsausdrücke lesen bevor wir Worte verstehen oder gar sprechen können. Ein Kleinkind reagiert darauf, ob die Mama lächelt oder bös guckt. Und auch später lesen wir viel mehr Gestik und Mimik der Person gegenüber als uns bewusst ist. Manchmal merken wir einer Person an das irgendwas nicht stimmt wenn diese lügt oder unehrlich ist. Wissen aber oft gar nicht woran. Und viel zu oft interpretieren wir „der mag mich nicht“ hinein.

Dabei liegt das Dilemma ja eher daran das viele Menschen das „freundlich gucken“ komplett verlernt haben. Und deshalb im Normalzustand einen „unzufriedenen Flunsch ziehen“. Die wenigstens denken darüber nach wie sie damit auf ihre Umwelt und auf einzelne Situationen wirken.

Ich habe das von Hanna gelernt und versuche, auch auf der Straße, die Leute freundlich anzulächeln. Und zum Beispiel auch in Restaurants mit dem Nachbartischen in Kontakt zu kommen durch Lächeln und Ansprache. Und ich muss sagen es wirkt. Zumindest werden die Leute in der Regel freundlicher.

Alkoholfreier Wein

https://rueckseitereeperbahn.blogspot.com/2026/02/und-wieder-einmal-nahe-null.html

Matt Wagner schreibt über alkoholfreien Wein. Und ich muss sagen, er hat Recht. Bei uns im Regal liegen auch noch zwei Flaschen Weißwein. Wir werden sie nicht anrühren und wenn überhaupt zum Kochen verwenden. Da ist der Alkohol nicht so wichtig. Hier sein Fazit zu einem Probierpaket

Doch ach, es war wieder zum Weinen. Zwei der drei Sorten musste ich bereits nach dem ersten Schluck dem Ausguss übergeben (sic!), nur dem Pinot Bianco von Nett aus Duttweiler (zweites Foto) vermochte ich mit Ach und Krach und über mehrere Tage den Garaus zu machen. Ob es sich beim Wort „Reverse“ auf dessen Etikett um ein Wortspiel oder einen Tippfehler handelt, interessiert mich angesichts dieser Erfahrung nicht mehr die Bohne. Das dürfen Sie die KI gern selbst fragen.
Mein auf einem weiterhin sehr schmalen empirischen Fundament ruhendes Fazit lautet: Je trockener ein Wein ausgebaut ist, desto fataler wirkt sich die Ethanolabsenz auf seine Genießbarkeit aus.

Immerhin gibt er einen Rat für die Verwegenen:

Sollten auch Sie sich also einmal in diese seltsame und (un)gefährliche Welt der alkoholfreien Weine begeben wollen, so achten Sie in Bacchus Namen wenigstens auf ordentlich Oechsle.

In Hamburg sagt man Tschüß

https://zynaesthesie.wordpress.com/2026/03/03/in-hamburg-sagt-man-tschuess/

Eine lebenswerte Satire über das alt werden in der Zukunft. Warum nicht gleich den Alterssitz in Thailand buchen, da ist die Pflege billiger.

Menschlichkeit

https://holyfruitsalad.blogspot.com/2026/03/menschlichkeit.html

Einfach lesen. Es geht um Deutsche in Dubai, um den hohen Benzinpreis und um Tanker.

Aus den Blogs (3)

Image attribution: Cortega9, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wenn ihr euch dafür interessiert, wo meine Blogpost herkommen, dann solltet ihr euch meine Leseliste anschauen. Durch die gehe ich jeden Tag nach neuen Beiträgen.

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https://buggisch.wordpress.com/2026/02/15/wie-man-social-media-kapert-und-kommunikation-zerstort/

Christian Buggisch schreibt einen interessanten Artikel über die Eskalation in den sozialen Medien über einen relativ lokalen Vorfall beim Kommunalwahlkampf in Bayern, der sich dann aufbauscht und weiter über den lokalen Rahmen hinausgeht.

Bald sind Kommunalwahlen in Bayern, auch in meiner Heimatstadt Erlangen und auch im kleinen benachbarten Adelsdorf, einer freundlichen Gemeinde mit rund 9.000 Einwohnern, fernab der großen Politik und ihrer Verwerfungen. Doch auch hier passieren unschöne Dinge, und so brannte dort kürzlich ein Wahlplakat der SPD-Kandidatin fürs Landratsamt. Die Feuerwehr kam, löschte und machte schnell noch ein Foto, das bald in sozialen Medien zu finden war.

 

Um in sozialen Medien erfolgreich zu sein, setzen rechte Akteure nicht zwingend auf Bots oder automatisierte Manipulation, sondern oft auf organisierte menschliche Aktivität. Politisch hoch motivierte Anhänger agieren in lose geknüpften Netzwerken, greifen Inhalte schnell auf, setzen früh Deutungsrahmen und stabilisieren diese durch Wiederholung. Die Koordination erfolgt häufig informell zum Beispiel über Messenger oder parteinahe Gruppen.

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https://holyfruitsalad.blogspot.com/2026/02/der-dummste-schwachsinn.html

Aus aus der Politik kommt immer mehr die Forderung nach einem Social Media Verbot für Jugendliche und Kinder. Insofern passt das ein wenig zu dem obigen Artikel. Creezy steht dieser Forderung skeptisch gegenüber und meint:

Dieses Verbot würde lediglich bedeuten, dass man Kindern versagt, frühzeitig kompetent in die Nutzung des Internets eingeführt zu werden, damit sie hier so früh wie möglich umfassende Kompetenz aufbauen können. Weil man selber technische wie auch inhaltliche Zusammenhänge nicht begreift – und schon mal gar nicht Geld in die Hand nehmen möchte, um Kindern das Wissen womöglich in Schulen zu vermitteln (für mich heute absolutes Pflichtfach) –, geht man lieber den bequemen Weg: Ein Verbot muss her.

Die Alternative liegt in der Ausbildung von Medienkompetenz bei den Kindern und Jugendlichen. Aber das kostet Geld und braucht Ahnung.

Aber ganz vorne dabei sehe ich die Schulen in der Pflicht. Es braucht Lehrer*innen, die – zwingend – weitergebildet gehören in dem Thema. Die darin Kompetenz erlangen müssen – egal, ob sie es interessiert. Immer noch ist an viel zu vielen Schulen das Thema Internet, Smartphone, Computer bei den Lehrern verankert, die sich dafür interessieren. Das genau reicht eben nicht mehr! Da dürfen sich heute immer noch viel zu viele Lehrkräfte wegducken.

Und: Es braucht Investitionen. Aber die schieben CDU/CSU und SPD ja lieber den reichen Lobbyorganisationen auf das Konto, anstatt in unsere Zukunft zu investieren.

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Bild: © Ajepbah / Wikimedia Commons

https://www.buddenbohm-und-soehne.de/2026/02/20/der-trost-von-topcheckern-umgeben-zu-sein/

 

Ja ich weiß, Buddenbohm noch einmal. Liegt aber daran, dass ich fast 40 Jahre in Hamburg gelebt habe und die Stadt glaube ein wenig zu kennen. Zumindest zur Zeit bis 2000. Zu dieser Zeit war für mich der Kirchturm von Sankt Jacobi, ein wenig ein Fremdkörper in der Stadt. Den von Sankt Nikolai habe ich hier mit der Stadt in Verbindung gebracht, da es sich eigentlich um ein Denkmal des zweiten Weltkrieg handelt. Nun sollte Kupferform von Sankt Jakobi zerstört werden. Max Boom hat einige kluge Gedanken dazu, geht aber wiederum auf die vielen Leute, die alles besser wissen.

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https://www.coldheat.de/2026/02/beobachtungen-aus-dem-wartezimmer

Ich kenne Wartezimmer und die Wartezeiten ganz gut. Die Beschreibung hier trifft es, obwohl eigentlich gar nicht um das Wartezimmer geht, sondern wieder einmal um die Nutzung von Smartphones und Social Media. Trotzdem lesenswert.

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https://www.spiegel.de/panorama/azubis-aus-vietnam-kamen-nach-thueringen-und-wurden-arbeitslos-sachen-packen-raus-a-389ea9ec-47b1-4383-ad1a-9b237c5b385b

Diesen Artikel muss ich etwas zwischen schieben, auch wenn er nicht so richtig was mit Blogs zu tun hat.

Es dreht sich dabei, um die Behandlung von vietnamesischen Auszubildenden in der Pflege, und das in Altenburg in Thüringen. Das sind schlimme Zustände und ich frage mich, ob es da irgendeinen Zusammenhang mit den vietnamesischen, “Fremdarbeitern”in der DDR gibt. Damals sind viele Vietnamesen nach Deutschland geholt worden und es muss schon die Verbindungen geben, die das ermöglicht haben. Vielleicht bestehen die doch immer.

Es ist ja auch so, dass die Vietnamesen nach der Wiedervereinigung sicher etwas hängen gelassen wurden. Ich erinnere mich, wie sie um 2000 in den Straßen von Berlin präsent waren und Schmuggelzigaretten verkauft hatten. Das Geschäft war dann vorbei mit dem Beitritt Polens zu EU. Seitdem wären die Bustouren für neun Euro zu den Namen Polenmärkten angeboten von Berlin. Über die Situation der Vietnamesen in Nagelstudios hatte ich ja schon geschrieben. Vielleicht ist das Ganze ein Problem, was unter dem Radar bleibt, aber größer ist, als es scheint.

https://steady.page/de/nminkmar/posts/273d6a08-b358-4d68-8c24-2adc44ec4e20

Nils Minkmar schreibt in seinem wöchentlichen Newsletter über Epstein und das Verhältnis zwischen Schuld und Sühne in diesem Fall.

Dieses Jahrhundert ist gekennzeichnet durch die Entkopplung von Schuld und Verantwortung.

Im ersten großen Krieg der Nullerjahre, dem Feldzug der USA im Irak und seinem Vorläufer, dem Einmarsch in Afghanistan, sind schwere Kriegsverbrechen geschehen, sogar der Kriegsgrund der amerikanischen Regierung für das Vorgehen gegen Saddam war gelogen. Es wurde gebombt und gefoltert, ohne die mindeste Rücksichtsnahme und weit über jede militärische Notwendigkeit hinaus. Das wurde zum Glück von Medien aufgedeckt – doch nie juristisch aufgearbeitet – ein schweres Versäumnis des Westens.

In der einige Jahre darauf folgenden Bankenkrise ging es weiter: Die Steuerzahlerinnen verhinderten den Kollaps der Finanzwelt, aber die Verursacher des Schlamassels blieben juristisch unbehelligt

Danach besteht das von der römischen Elite entwickelte Programm der Sorge um sich in einer regelrechten Lebenskunst, die Philosophie nicht als Theorie, sondern als tägliche Praxis organisiert: Der freie Mensch soll an sich arbeiten, um sich als moralisches Subjekt zu formen—durch Übungen der Aufmerksamkeit und Selbstprüfung, Lektüre und Schreiben (Notizbücher, Briefe), Gespräche mit einem Lehrer oder Freund, sowie asketische Übungen. wie Gedankendisziplin, Vorbereitung auf Unheil, Maßhalten in Lust, Essen, Schlaf, und Körperpflege.

Ziel war nicht eine verbietende Moral, sondern eine kontrollierte, rationale Führung der eigenen Begierden und Affekte, damit Freiheit als Selbstbeherrschung möglich wird: Wer sich regieren kann, kann auch Haushalt und Polis regieren; die Ethik der Selbstführung wurde so zur Grundlage politischer Handlungsfähigkeit.

Eine solche philosophische Vorbereitung auf mögliche Funktionen in der Gemeinschaft oder die Rolle als Bürgerin und Bürger einer Republik – das ist in unserer Gegenwart schlicht nicht vorgesehen. Darum gibt es ganz oben immer wieder Männer und Frauen, die alles haben und dennoch so völlig verwahrlosen. Kompetenzen in BWL und Informatik sind eben nicht alles.

http://aufildesmots.biz/2026/02/mimosen-outdoor/

Dieser Beitrag ist speziell für Hanna. Wir waren sehr häufig mit Freunden bei Michael in der Wohnung in Hendaye Plage der französischen Atlantikküste direkt an der spanischen Grenze. In diesem Ort gibt es eine Straße mit dem Namen Avenue de Mimosas. Leider war es uns nicht möglich, diese Straße irgendwann einmal in Blüte zu sehen, obwohl Hanna es sich häufig gewünscht hat. Deshalb dieser Eindruck von der französischen Mittelmeerküste.

Aus den Blogs

Heute mal wieder ein Einblick in ein paar Sachen, die mir in den Blogs aufgefallen sind. Für die krause Formatierung entschuldige ich mich, es passiert immer, wenn ich Zitate aus Blogs kopiere und MarsEdit mir nicht die Freiheit lässt, Sachen detailgenau zu korrigieren.

Dein Fahrplan für ein freieres digitales Leben

https://www.kuketz-blog.de/unplugbigtech-dein-fahrplan-fuer-ein-freieres-digitales-leben-teil-1/

Wie ihr wisst, ist es mir ein Anlegen, von den amerikanischen BigTech Firmen loszukommen. Der Kuketzbloggibt hierzu in ein paar Folgen Anleitung, die nicht sofort befolgt werden, müssen aber einen Weg aufzeigen, den man gehen könnte

#UnplugBigTech ist deshalb eine Artikelserie für alle, die raus wollen, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Im Mittelpunkt steht Orientierung statt Aktionismus: Was bringt wirklich etwas? Wo sind schnelle, sinnvolle Hebel? Welche Kompromisse sind vertretbar – und wo wird es kritisch? Nur ehrlich muss man sein: Das ist kein Schalter, den man einfach umlegt. Wer unabhängiger von Big Tech werden will, muss Zeit investieren und ein paar Grundlagen verstehen. Wir versuchen, das so verständlich und praktikabel wie möglich aufzubereiten.

Am Ende geht es nicht darum, alles auf einmal neu zu machen. Es geht darum, Schritt für Schritt wieder mehr Kontrolle zu bekommen, weniger abhängig zu sein – und einen Weg zu haben, der im Alltag wirklich funktioniert.

Das Epstein-Grauen

https://holyfruitsalad.blogspot.com/2026/02/das-epstein-grauen.html

Creezy macht Ein paar Gedanken zu Eppstein, die auch das Unvorstellbare in Gedanken vorstellbar macht.

Und zum Thema „Sie essen Menschen!”, kann man sich sehr sicher vorstellen, dass in solchen Kreisen mindestens sehr schlechte Witze darüber gerissen werden. Was, wenn diese Idee in den erlauchten engen Kreisen hochstillisiert wurde bis zum Machbaren?

Die Leere in der Stadt

https://steady.page/de/nminkmar/posts/9b5993c4-5a9f-43d8-ab24-16025c6a05f5

Nils Minkmar beobachtet Trends in seiner Stadt, die sich immer mehr zu leeren scheint.

Dass die digitalisierte Stadt eine leere Stadt wird, hat niemand kommen sehen. Wozu noch in die Innenstadt, in der ich an leeren Flächen entlanglaufe?

Der zweite Trend, oft beschrieben, ist die Konzentration des Geldes. Immobilien sind eine beliebte Parkmöglichkeit für die immensen Summen, über die die Megareichen weltweit verfügen, also kommt es zu Spekulationsgeschichten wie diesem Luxushochhaus. Und weil im Kapitalismus das Geld seine eigenen Regeln schreibt, können auch die Feinde des Westens wie die Familie des iranischen Revolutionsführers oder des russischen Präsidenten mitten in Deutschland Immobilien besitzen. Niemand hat ein Interesse daran oder traut sich, dagegen etwas zu unternehmen. In allen Städten Europas sieht man die extrem teuren Wohnungen in den Innenstädten pittoresk leer stehen. Dort wohnt nur Geld.

Am anderen, dem normalen Ende der Skala, kann man die Horrorgeschichten sammeln: Mieterhöhungen, Klagen auf Eigenbedarf, dessen Begründung später niemand mehr kontrolliert und der nicht nachvollziehbare Weiterverkauf von Wohnhäusern setzen die Gesellschaft unter Stress. Familien rackern sich ab, streben nach Wohneigentum, um sicher wohnen zu können – dabei gibt es Modelle, die solche Sicherheit vor Kündigung vermitteln, ohne dass immer weiter neu gebaut und investiert werden muss – Genossenschaften, Werkswohnungen und öffentliche Baugesellschaften beispielsweise.

Valentinstag

https://www.buddenbohm-und-soehne.de/2026/02/09/herzchen-bluemchen-zitate-refrains/

 

Max Buddenbohm teilt seine Beobachtungen zum Valentinstag mit und stellt eine immer größer werdende Eventisierung statt.

Einen anschwellenden Hype gibt es aber auch, wie überall zu sehen ist, und das ist der um den Valentinstag. Es ist nicht allzu lange her, dass sich der in meinem Umfeld hauptsächlich durch Billigpralinensondereditionen in rosafarbenen Herzchenkartons beim Discounter sowie durch die großen Außenwerbungsplakate des Floristenverbandes ausgezeichnet hat. Und außerdem noch durch enorm lange Schlangen von fortgeschritten genervt aussehenden Männern vor den Blumenläden im Hauptbahnhof.  Männer, die nach Feierabend am 14.2. noch mal eben das obligatorische und am besten rotrosige Blühzeug zum spontan erhöhten Preis mitnehmen wollten, und die da dann unerwartet lange dort anstanden. Die dabei leise knurrend all die anderen ihrer Art verfluchten und dabei unruhig zappelnd und mit den Oxford-Schuhen oder Sneakers scharrend auf die Uhren sahen, mit dem Smartphone nebenbei noch schnell anderes delegierend.

Das ändert sich zunehmend.

Jetzt aber wird es auf einmal deutlich aufwändiger. Jetzt geht der Trend zur intensiven Eventisierung des Tages, und neuerdings spielt dabei ein gewisses Segment der Gastronomie begeistert mit. Nämlich das Segment, in dem man sich für exklusiv, schick, originell oder auf irgendeine Art wenigstens romantisch genug hält, um den geeigneten Rahmen für ein Date an diesem Tag zu geben.

Da wird nun auf einmal mit Nachdruck geworben und Valentinsmenüs werden angepriesen wie sonst nur die Speisefolgen zu Silvester etc. Aber selbst bei imbissähnlichen Etablissements kleben Sonderkarten in den Fenstern, versehen mit dem schnörkeligen Hinweis: „Cheers to love.“

Der Frühling kommt

https://www.buddenbohm-und-soehne.de/2026/02/13/wir-wissen-bescheid/

Das weiß der eben schon, zitierte Max Buddenbohm und macht es fest an der Beobachtung, wie sich das Licht in Hamburg ändert

Ich weiß, ich schreibe es immer wieder. Aber ich finde es zu und zu schön, dass es bei uns irgendwann im Februar diesen besonderen Lichteffekt gibt, bei dem so viele Menschen auf einmal ein urzeitlich anmutendes Reaktionsmuster in sich spüren. Bei dem sie wie witternd kurz stehenbleiben, sinnend verharren und in den Himmel, in das Licht sehen und instinktiv wissen – etwas ändert sich nun. Und zwar gründlich und bald.

Man weiß ab diesem Moment sicher um den Frühling. Auch wenn von dem sonst rein gar nichts zu sehen oder zu fühlen ist. Man hat ihn dennoch erkannt, und es hat etwas ungemein Erfreuliches und seltsam Tröstliches, wenn man damit nicht allein ist. Ein sehr altes Programm ist es, das bei vielen von uns noch läuft und läuft, eine Rückkoppelung an jagende und sammelnde Vorfahren wird es sein.

Mandelblüte

http://aufildesmots.biz/2026/02/mandelbluete/

Passend dazu ein paar Bilder von der Mandelblüte in Südfrankreich.

Zug zum Karneval

https://unterwegsistdasziel.blog/zug-zum-karneval/

Eine Zugbegleiterin, die ICE fährt, macht so ihre Beobachtung im Verkehr während der Karnevalstage, die genauso gut bei anderen Großveranstaltung zählen könnten wie zum Beispiel Fußballspielen. Dabei fällt auf, wie schon so oft, dass Menschen eigentlich Herdentiere sind.

Meistens wollen diese Gruppen gemeinsam einsteigen und drängen sich alle in die gleiche Türe. Denn oft hat nur einer die Fahrkarte und den Überblick über die Reservierungen. Wenn aber gerade aus dieser Türe vorher viele Leute aussteigen, kann dies allein schon zu verspäteter Abfahrt führen. Meine Aufgabe als Zugbegleiterin im Fernverkehr ist es dann auch, solche einen Knuppel zu verhindern. Ich versuche dann meistens einzelne Reisende zu bitten woanders einzusteigen. Doch leider wird das selten richtig verstanden.

Die meisten Menschen wollen in der Mitte des Zuges einsteigen und möglichst wenig laufen. Dabei realisieren sie nicht, das es weit einfacher ist neben dem Zug bis zur nächsten Türe zu gehen als später im überfüllten Wagen durch die Sitzreihen zu drängeln.

Und

Seit dem Fahrplanwechsel gibt es an vielen großen Bahnhöfen eine zusätzliche Bandansage „Bitte benutzen Sie zum schnelleren Einstieg die gesamte Zuglänge“. Ich persönlich habe den Eindruck, dass diese Ansage absolut nichts nützt. Die Menschen verstehen nicht, was gemeint ist. „Verteilt Euch auf dem Bahnsteig“ wäre vielleicht hilfreicher.

Regelmäßig knuppeln sich hunderte Menschen in der Zugmitte und beschweren sich am besten noch bei uns der Zug sei sooooo voll und ich muss ihnen dann antworten „Wagen 1-4 sind fast leer“.

 

 

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Aus der Blogosphäre (2)

Symbolbild von Freepik

Nach einem Monat mal wieder ein paar Ausschnitte aus den Blogs, die ich lese.

Felix Schwenzel blickt zurück auf seine Hochzeit auf seine Hochzeit in Las Vegas. Laut Beitrag sollte die Hochzeit aus steuerlichen Gründen noch kurz vor Jahresende stattfinden und da blieb nur Las Vegas. Ich frage mich dabei, wie groß die Steuererstattung für das Jahr gewesen sein muss, damit sich eine Reise für zwei Personen nach Las Vegas inklusive Hotelaufenthalt lohnt.

Claudia Klinger beschreibt ihren Besuch auf dem Flohmarkt am Boxhagener Platz am vierten Advent. Es ist nicht so ihr Ding und ich denke, da stimme ich mit ihr über ein. Wir waren vielleicht ein oder zweimal dort in den gut 20 Jahren, in denen wir jetzt hier leben. Aber dazu muss ich’s raten, dass Flohmärkte generell nicht (mehr) mein Ding sind.

Max Buddenbohm sinniert über Namensgebung in seinem Viertel. Ich kenne dieses Viertel auch ganz gut. Als Junge habe ich immer den Umweg über den Hauptbahnhof gemacht, um dort für 0,50 DM von meinem Taschengeld Pommes Frites zu kaufen. Und zu Beginn meiner Arbeit in Hamburg von Berlin aus habe ich im Steindamm immer ein kleines Hotel gebucht, weil es das günstigste war. Und vor kurzem war ich mit Hanna auch in einem Hotel am Steindamm. Deshalb ist das folgende Zitat ganz interessant.

Der parallel zur Langen Reihe liegende und ganz anders geartete Steindamm …

[Exkursbeginn. Um zur Abwechslung etwas vollkommen ernst zu meinen: Wenn Sie als Touristin oder Tourist nach Hamburg kommen sollten, machen Sie Ihren Besuch doch bitte zum Bildungsurlaub und gehen Sie einmal die Lange Reihe auf und ab, nur um direkt danach den Steindamm auf und abzugehen. Zwischen diesen beiden Straßen liegen nur ein paar Schritte, aber die Unterschiede in den Erlebniswelten sind krass unglaubwürdig, wenn man es nicht selbst gesehen hat.

Es ersetzt ein Soziologieseminar, ach was, ein ganzes Semester, sich diese beiden so strikt getrennten Stadträume geistig einzuverleiben. Man muss genau diese beiden Straßen verstehen, um auf einmal sehr viel von unserer Gesellschaft zu verstehen. Sie haben auf der Langen Reihe den zur Szene und zum Hipster gewordenen WEIRD-Bias (Sie erinnern sich vielleicht noch, Western, Educated, Industrialized, Rich, and Democratic). Sie haben auf dem Steindamm dagegen eine merkwürdig andere Kulisse und eine vollkommen andere Statisten-Schar – als habe man „Migration“ auf einer Freilichtbühne überspitzt und seltsam überzeichnet darstellen wollen.

Also noch einmal, es ist ausdrücklich kein Scherz, besuchen Sie doch bitte einmal genau diese beiden Straßen. Sehen Sie genau hin – and please mind the gap. Exkursende.]

Der Siebte Tag, den ich als Newsletter abonniert habe, beschreibt den Unterschied zwischen Frankreich und Deutschland in Bezug auf Grenzkontrollen bei einem Besuch in Straßburg. Das gibt ein gutes Bild bezüglich Dobrindt-Deutschland.

Auf der Fahrt zurück der übliche Downer: die rituelle Grenzkontrolle durch die Bundespolizei – 20 Minuten Dobrindt-Pause für den schnellen Zug. Es gibt sie nur auf der Fahrt in die deutsche Richtung, Frankreich macht beim Rückfall hinter Schengen nicht mit. Kein Attentat der letzten Jahre hätte so verhindert werden können, es ist ein zeitgenössisches Theater der Sicherheit, in dem die Bundesrepublik ihre Fähigkeit zum europapolitischen Rückwärtsgang demonstriert. Genau in die falsche Richtung, dafür mit Schmackes.

 

So ist derzeit auf vielen Feldern: Rückwärts statt vorwärts. In Straßburg, der alten Hauptstadt des Humanismus, kennt man aber die Logik der Dialektik: Kein Zustand währt ewig und mitten im Alten beginnt schon das Neue.

Wir lieben es nicht, wenn bei Serien jede Woche eine Folge herauskommt, deswegen warten wir meistens bis das Ende absehbar ist. Ein Grund dafür wird in diesem Artikel beschrieben. Bei Plur1bus gibt es aber dann morgen die letzte Folge und wir können dann den Rest bingen.

 

Und dann noch einmal Max Buddenbohm, der zum Jahresende die Taschen seiner Jacketts und Mäntel leert und verblüffende Funde macht. Das könnte bei mir auch passieren. Allerdings wird man bei mir keine Autoschlüssel finden, ich habe mein letztes Auto vor etwa 25 Jahren abgeschafft und auch CarSharing mache ich seit gut fünf Jahren nicht mehr. Es gibt ja Taxis und den ÖPNV.